Joachim hatte auf Twitter ne Frage und regte an, dass die hier behandelt werden könnte. Gelabers über Ausflugsziele passt ja auch irgendwie an die Bar. Vielleicht machen wir ja eine Serie draus.
Was guckt mensch sich denn so in Köln als Tourist an? — Quantenwelt: Joachim (@quantenwelt) March 14, 2013
jhermes
Ja, Joachim, da sprichst du wohl mich an. Für einen, der eigentlich sein ganzes Leben hier im Dunstkreis verbracht hat, ist die Frage gar nicht so einfach zu beantworten. Ich fange am besten mal damit an, dass Köln aus der Nähe betrachtet keine besondere Schönheit ist. Das liegt daran, dass die Stadt im letzten Krieg für alliierte Bomber relativ einfach erreicht werden konnte und hernach beim Aufbau jede Hilfe willkommen war, so dass eben fast jeder bauen durfte, wie ihm das gerade in den Sinn kam. Resultat sind eine Menge Kacheln allerorten.
Vielleicht ist es deshalb eine gute Idee, sich das ganze erst einmal von weiter weg und oben anzuschauen. Vom Südturm des Domes aus hat man keine besonders gute Sicht (dafür darf man eine Menge ausgetretener Wendeltreppen steigen), hier bieten sich eher der LVR-Turm auf der Schäl Sick (der falschen Rheinseite, drüben in Deutz) oder der Mediapark-Turm an. In Letzteren muss man allerdings ein Essen zu sich nehmen (Restaurant Osman 30), das ich bei meinen beiden Besuchen aber schmackhaft und nicht zu teuer fand. Alternativ ragt direkt hinter dem Mediapark direkt der höchste der Kölner Trümmerberge, der Herkulesberg auf, zu dem man über eine Fußgängerbrücke gelangt, wo man meines Wissens den schönsten Blick über Köln vom Westen her hat.

Bild: Raumhafen / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)
Wie kleingassig Köln früher war, kann man an einem hübschen Modell im Stadtmuseum sehen, das sich – wie ich meine – auch aus anderen Gründen für einen Besuch anbietet. Das berühmte Römisch-Germanische Museum finde ich persönlich ein wenig langweilig, besser gefallen mir die beiden Kunstmuseen Wallraf-Richartz- (13. Jhdt – Anfang 20.) sowie das Ludwig-Museum (moderne Kunst). Sehr neu und mit innovativer Ausstellung kommt das Rautenstrauch-Joest Museum daher, das sich den Kulturen der Welt widmet.
Wie Hamburg (Elbphilharmonie) und Berlin (BER) hat Köln hat natürlich auch ein Großprojekt, in das eine Menge Geld und als Zugabe auch das Stadtarchiv versenkt wurden – die Nord-Süd-U-Bahn (ich bin schon länger nicht mehr an der Wunde am Waidmarkt vorbeigefahren und weiß nicht genau, was vom Desaster man dort noch sehen kann). Du machtest auf Twitter ja den Witz, Köln versuche womöglich, sich vollständig unter die Erdoberfläche zu befördern. Ich konterte damit, dass dies schwierig zu bewerkstelligen sei, da sich dort schon eine Stadt befinde. Wo auch immer Löcher gebuddelt werden, erst einmal rückt ein Trupp von Archäologen an und versucht, die Reste von bis zu mehr als 2000 Jahre alter Bausubstanz zu retten. Direkt am Rathausplatz (übrigens die einzige bisher in Betrieb gegangene Nord-Süd-Bahn-Station) kann man das in der sogenannten Archäologischen Zone beobachten. Nebenan kann man sich in einer riesigen, beeindruckenden Ausschachtung den Palast des römischen Statthalters (das Prätorium) anschauen. So unansehnlich Köln über der Erdoberfläche auch mitunter sein mag, unterirdisch hat es einiges zu bieten.
Nach dem Krieg war aber auch nicht alles schlecht, für einen Teil des Aufbaus war ja Wilhelm Riphahn zuständig, der Köln eine Ost-West-Achse und eine Reihe beachtenswerter Gebäude schenkte. Leider sind Oper und Schauspielhaus gerade im Umbau, zu sehen gibt es deswegen vor allem die Bastei am nördlichen Rheinufer, die sich auch als Startpunkt für einen ausgiebigen Rheinspaziergang anbietet. Richtung Norden kommt man zu Skulpturengarten und Flora (in beidem Eintritt frei) sowie Zoo und Rheinseilbahn (alles sehr lohnend bei wirklich gutem Wetter). Richtung Süden geht es durch den Rheingarten (da ist wenig mit Wiese) an Dom und Altstadt vorbei. Im weiteren Verlauf erstreckt sich hinter dem Schokoladenmuseum (das ich aus welchen Gründen auch immer nicht von innen kenne) ein ganz neuer Stadtteil im Rheinauhafen mit den Kranhäusern und dem umgebauten Siebengebirge, der sehenswert ist, aber auch ein wenig gruselig. Zu sehr wurde hier darauf geschaut, Leute mit Geld anzuziehen. Alternativ kann man die Strecke am Rhein auch mit dem Bötchen bewältigen, da kommt man dann (mit Sightseeing-Begleitung vom Band) auch ein Stück weiter, bis Rodenkirchen, wo man bei gutem Wetter ein wenig stranden kann.

Bild © Superbass / CC-BY-SA-3.0 (via Wikimedia Commons)
Joachim
Fragen? Nein, aber dein Beitrag hat mich überzeugt, drei statt zwei Nächte in Köln zu bleiben. Dann werde ich sehen, ob mich die Stadt so überzeugt, wie sie dich zu überzeugen scheint. Vielen Dank für diesen Bericht.
jhermes
Fein, dann hat sich mein Geschreibsel ja schon gelohnt. Dann höre ich mal lieber auf, bevor du mit zu hohen Erwartungen anreist. Was ich vergessen habe, kann möglicherweise die ein oder andere Kommentatorin nachtragen. Ich freu mich jedenfalls auf dein Kommen, vielleicht schaffe ich es demnächst auch mal nach Hamburg, dann setzen wir uns wieder – mit vertauschten Rollen – an die Bar hier. Zum Schluss noch ein Tipp im Umgang mit den Einheimischen hier: Ein Wort zuviel gibt’s nicht. Darauf ein Kölsch! Oder ein paar halt.
Hallo,
also ich bin auch ein ganz großer Fan von Köln… Diese Stadt ist ein Lebensgefühl! Man kommt auch gar nicht auf schlechte Gedanken… finde ich.
Gruß
Helen von Segway Köln